Kleinst, klein, mittelgroß, groß: die 4 Größenklassen von Kapitalgesellschaften im Überblick

Sie denken, bei Kapitalgesellschaften spielt die Größe keine Rolle? Falsch gedacht! Obwohl sie auf den ersten Blick alle gleich erscheinen, gibt es noch einmal Unterkategorien, sog. Größenklassen. Davon gibt es insgesamt 4: kleinst, klein, mittelgroß und groß. Diese Größenklassen sind in Praxis sehr viel wichtiger als sie auf den ersten Blick erscheinen, denn GmbHs werden im Handelsrecht nach § 267 HGB der Größe nach unterschiedlich behandelt.

Hier erfahren Sie, wie Sie ihre GmbH richtig einordnen können, was die Folgen dieser Kategorisierung für Sie sind und wann die verschiedenen Größen relevant werden.

Wie werden die Größenklassen unterschieden?

Wichtig für die Zuordnung einer GmbH ist, dass mindestens 2 Kriterien an zwei aufeinanderfolgenden Abschlusstichtagen bzw. Bilanzstichtagen über- oder unterschritten werden. Wenn die GmbH neu gegründet oder umgewandelt wird, reicht der erste Abschlussstichtag nach Gründung oder Umwandlung.

Größe Merkmale Konsequenzen/Implikationen
Kleinste GmbH <350.000 € Bilanzsumme Es besteht die Möglichkeit beim Jahresabschluss auf den Anhang zu verzichten, wenn unter der Bilanz bestimmte Angaben anerkannt werden.

Die Offenlegungspflicht kann erfüllt werden, indem die gesetzlichen Vertreter des Unternehmens in elektronischer Form die Bilanz zur dauerhaften Hinterlegung beim Betreiber des Bundesanzeigers einreichen und einen Auftrag zur Hinterlegung gem. § 326 Abs. 2 HGB erteilen. Der Jahresabschlussbericht ist hiermit jedoch nicht öffentlich, da er nicht unternehmensregister.de einsehbar ist.

<700.000 € an Umsatzerlösen
Weniger als 10 Mitarbeiter
Kleine GmbH <6.000.000 € Bilanzsumme Es besteht die Möglichkeit, von Erleichterungen gem. § 236 Abs. 1 HGB Gebrauch zu machen.

Nur die Bekanntmachung von Bilanz und Anhang beim Bundesanzeiger sind Pflicht. Eine Gewinn- und Verlustrechnung ist notwendig, muss aber nicht veröffentlicht werden.

<12.000.000 € an Umsatzerlösen
<50 Mitarbeiter
Mittelgroße GmbH 6.000.000 € – 20.000.000 € Bilanzsumme Es müssen folgende Dokumente gem. § 325 Abs. 1 HGB beim Bundesanzeiger zur Offenlegung eingereicht werden:

  • der Jahresabschluss mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang (seit Inkrafttreten des BilRUG muss der Jahresabschluss festgestellt oder gebilligt sein)
  • der Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
  • der Lagebericht
  • der Bericht des Aufsichtsrats (soweit das Unternehmen über einen Aufsichtsrat verfügt)
  • der Ergebnisverwendungsvorschlag oder -beschluss (seit Inkrafttreten des BilRUG gem. § 285 Nr. 34 HGB als Pflichtangabe im Anhang)
  • die Entsprechungserklärung zum Corporate Governance Kodex nach § 161 AktG (u.a. für börsennotierte Aktiengesellschaften bzw. Kommanditgesellschaften auf Aktien).
  • Gem. §327 HGB können mittelgroße Unternehmen beim Inhalt bestimmter dieser Dokumente Erleichterungen in Anspruch nehmen.
12.000.000 € – 40.000.000 € an Umsatzerlösen
Zwischen 51 und 250 Mitarbeiter
Große GmbH >20.000.000 € Bilanzsumme Es müssen folgende Dokumente gem. § 325 Abs.1 HGB beim Bundesanzeiger zur Offenlegung einreichen:

  • der Jahresabschluss mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang (seit Inkrafttreten des BilRUG muss der Jahresabschluss festgestellt oder gebilligt sein)
  • der Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
  • der Lagebericht
  • der Bericht des Aufsichtsrats (soweit das Unternehmen über einen Aufsichtsrat verfügt)
  • der Ergebnisverwendungsvorschlag oder -beschluss (seit Inkrafttreten des BilRUG gem. § 285 Nr. 34 HGB als Pflichtangabe im Anhang)
  • die Entsprechungserklärung zum Corporate Governance Kodex nach § 161 AktG (u.a. für börsennotierte Aktiengesellschaften bzw. Kommanditgesellschaften auf Aktien).
>40.000.000 € an Umsatzerlösen
>250 Mitarbeiter

 

Folgende Unternehmen gelten nicht als Kleinstkapitalgesellschaften (gem. § 267a HGB):

  • Investmentgesellschaften
  • Unternehmensbeteiligungsgesellschaften
  • Unternehmen mit dem alleinigen Zweck, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben sowie die Verwaltung und Verwertung dieser Beteiligungen wahrzunehmen.

Wie errechnet man die notwendigen Merkmale der Kapitalgesellschaft?

Die Anzahl an Mitarbeitern entspricht dem Jahresdurchschnitt. Dieser ergibt sich aus der Summe der jeweiligen Anzahl der Mitarbeiter am 31. März, 30. Juni, 30. September und 31. Dezember, dividiert durch 4.

Als Mitarbeiter gelten alle angestellten Arbeitnehmer, inklusive der im Ausland beschäftigten Angestellten. Auszubildende gelten nicht als Mitarbeiter.


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